Recap - Symposium "Zukunft Corporate Design"

07.10.2014 Bild

Corporate Design ist ein strategisches Werkzeug für Unternehmen, es unterstützt das Erreichen von Unternehmenszielen und ist direkt mitverantwortlich für wirtschaftlichen Erfolg oder eben das Ausbleiben des selbigen. Als Grafikdesigner ist es eines meiner liebsten Themengebiete. So war ich auch sofort bereit dem Ruf der init_cd zum Symposium "Zukunft Corporate Design" zu folgen. Damit ihr auch was davon habt, gibt es hier ein kurzes Recap der Veranstaltung.

Ihr fragt euch wahrscheinlich: Was juckt euch als Digitalagentur das Thema Corporate Design? Nun ja, Corporate Design ist ein essentieller Bestandteil unserer täglichen Arbeit. Jedes digitale Projekt baut im Idealfall auf ein gut entwickeltes Corporate Design auf. Plus die Entwicklung des Corporate Design wird entscheidend durch die Digitalen Medien vorangetrieben.

Was zum Teufel ist ein init_cd?

Veranstaltet wurde das Symposium von der init_cd, einem ExpertsCluster des designaustria. Die init_cd (Initiative Corporate Design) hat sich das Ziel gesetzt Corporate Design verständlich zu machen und schafft durch die Definition von Qualitätsstandards klare Vorgaben für technisch professionelle CD-Arbeit. Zielgruppe sind dabei nicht nur DesignerInnen. Auch AuftraggeberInnen wird Wissen über CD Entwicklung und erfolgreiche Implementierung in Unternehmen vermittelt. Mir persönlich war als junger Designer die Publikation "Qualitätsstandards für Corporate Design" eine große Hilfe, um in diesem Bereich Fuß zu fassen.

Hot or not?

Wie war die Veranstaltung? Im Designforum Wien fand das Treffen in entspannter Atmosphäre statt. Die Veranstalter machten keinen Hehl daraus, dass es ihr erstes Symposium war und schafften es Unstimmigkeiten charmant zu überspielen. Wichtiger war ohnehin die fachliche Kompetenz und weniger das organisatorische Geschick, und diese brachten alle Beteiligten zweifelsohne mit.

Begonnen wurde mit einem schönen Impulsreferat von Markus Hanzer mit dem Titel "Welche Regeln braucht es, um sein Gesicht zu wahren?". Danach war hands on angesagt: drei Diskussionsgruppen behandelten jeweils zwei Fragen zum Thema "Zukunft Corporate Design". Die Konklusion wurde dann vor versammelter Mannschaft vorgetragen. Damit die so gewonnen Erkenntnisse nicht nur den TeilnehmerInnen vorbehalten bleiben, sollen sie in Form eines Manifests festgehalten und idealerweise als Publikation veröffentlicht werden. Ach ja, zum Schluss gab es noch Brötchen - sehr fein.

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Diskussionsstoff Corporate Design

Von den insgesamt sechs Fragen, die in den Diskussionsgruppen behandelt wurden, empfand ich persönlich die folgenden zwei Fragestellungen am interessantesten - unter anderem auch, weil hier bedeutende Schnittpunkte zu den Digitalen Medien bestehen.

Dynamic Identities & Flexible Logos - Neuer Trend oder Modeerscheinung?

Dynamic oder Fluid Identities sind nichts Neues. Ein Beispiel, das sich in mein Hirn gebrannt hat, ist das MTV Logo. Es wurde vom Designkollektiv Manhattan Design 1981 entwickelt und basiert auf dem System eines Containers, der mit unterschiedlichem Content befüllt wird. Zu der Zeit hatten nur wenige Unternehmen die medialen Möglichkeiten ein dynamisches System zu kommunizieren, daher war deren Anwendung nicht sonderlich verbreitet. Fast forward: 30 Jahre später - TRARA! - das Internet ist überall und verhilft den Dynamic Identities zu neuen Höhenflügen. Interessant wird der Einfluss von Big Data auf die Zukunft von Corporate Design. Große Internet-Marken wie Amazon, Google oder Facebook könnten Logo, Farben und Gestaltungselemente an den Gemütszustand des Users anpassen, um so Kaufentscheidungen zu beeinflussen. Die Daten und technischen Möglichkeiten dazu sind vorhanden - aber wie werden sie genützt?

Für Corporate DesignerInnen ist Feingefühl angesagt. Eine dynamische Identität darf nicht zum Gimmick verkommen, sondern sollte strategische Kommunikationsziele verfolgen. Es muss aus der Charakteristik und den Werten des Unternehmens bzw. der Organisation entstehen; zum Beispiel Vielfalt der Services und Produkte oder Flexibilität als Unterscheidungsmerkmal. Nicht jedes Unternehmen ist geeignet ein solches System zu implementieren oder hat die Anwendungsmöglichkeiten, die Modularität zu unterstützen. Also bevor losgelegt wird, kurz überlegen, ob ein normales Logo nicht dienlicher ist. 

Kennt ihr noch schöne Beispiele für dynamische Corporate Design Systeme? Lasst es uns wissen und postet auf unsere Wall: www.facebook.com/dynamogold. Wir machen den Anfang mit einem wunderbaren Projekt von Stefan Sagmeister, der die Identity der Casa Da Musica entwickelte.

Logo oder? - Werden Billiglogos aus dem Web Standard?

Fotografen leiden schon länger unter sogenannten Stock-Bilder Websites im Internet. Für Corporate Designer gibt es auch Konkurrenz aus dem Web. Stock-Logo Plattformen bieten tausende vorgefertigte Logos zu Schleuderpreisen an mit denen kein Grafiker mithalten kann. Die Frage ist: wird das zu einem Problem für die Branche oder bleibt es eine Nischenerscheinung? Interessanterweise existierte der Markt für den Massenabsatz von Billiglogos vor 10 Jahren noch nicht. Erst durch die rasante Zunahme von Klein- und Einpersonenunternehmen hat sich die Nachfrage in diesem Bereich entwickelt. Hier finden wir auch die Daseinsberechtigung für diese Plattformen. Die meisten kleinen Unternehmen und Start-ups können sich keine maßgeschneiderte Logoentwicklung für mehrere tausende Euro leisten. Stock-Logos geben ihnen die Möglichkeit, ein für das Selbstverständnis eines Unternehmens so wichtiges Logo ihr Eigen zu nennen.

Und wozu brauchen wir jetzt noch Corporate Designer? Ein ausgezeichnet entwickeltes Corporate Design besteht eben nicht nur aus einem Logo! Und der Weg dorthin besteht aus intensiven Beratungsleistungen, die keine Stock-Website bieten kann. Der Designer hilft bei der Erstellung des Leitbildes, analysiert das Marktumfeld, entwickelt Farb- und Bildwelten, die zu den Unternehmenszielen passen und und und. Für den Einstieg kann ein Stock Logo reichen. Es wird nur eine mittelmäßige bis schlechte Lösung sein, aber dafür schont es das Geldbörserl. Sollte das Unternehmen am Markt bestehen, ist dringend anzuraten in ein professionelles Corporate Design zu investieren. Denn eins ist klar: die Konkurrenz schläft nicht und gutes Design ist kaufentscheidend.

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Fazit

Immer wieder gerne! Hoffentlich kommen noch mehr dieser Veranstaltungen zu Stande. Es macht Spaß mit Branchenkollegen und -kolleginnen zu diskutieren. Wenn daraus auch noch ein Manifest entsteht, hat es sich richtig gelohnt. Die init_cd freut sich auch sicher über neue Mitglieder - also gleich anmelden

Bei dynamo gold werden wir uns verstärkt mit der Frage auseinandersetzen, was Corporate Design im Digitalen Zeitalter zu leisten hat. Wir befinden uns inmitten der Revolution des mobilen Internets, die Kommunikation von Marken und Unternehmen wird sich grundlegend verändern. Was das für die Zukunft des Corporate Designs bedeutet, gilt es zu erarbeiten.

 

Die Bilder in diesem Artikel wurden uns freundlicherweise von der init_cd zur Verfügung gestellt.
Autor Wolfgang Jastrinsky twitter.com/WJastrinsky